SAM TAYLOR-WOOD
1967 geboren in London
Lebt und arbeitet in London
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Sam Taylor Wood, 2010
Photo: Phil Poynter |
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Persönliche Daten
| 1990 |
Studienabschluss am Goldsmiths’ College, London |
Zum Werk
Die britische Foto- und Videokünstlerin Sam Taylor-Wood, die
1998 für den begehrten Turner-Prize nominiert wurde, ist durch
das verstärkte Interesse an den „Young British Artists“
Mitte der 1990er Jahre in das Blickfeld der Öffentlichkeit
gerückt. Mit den so genannten YBA’s verbindet sie ein
Studium am Londoner Goldsmiths’ College, die Teilnahme an
maßgebenden Ausstellungen wie „Sensation“ oder
der 47. Biennale in Venedig sowie ein gemeinsamer Mäzen: der
Londoner Kunsthändler und Sammler Charles Saatchi.
Ursprünglich von der konzeptuellen Bildhauerei kommend, wechselt
Sam Taylor-Wood anfang der 1990er Jahre zu den Medien Fotografie
und Film. Während sie zu Beginn noch mit provokanten fotografischen
Selbstportraits auf sich aufmerksam macht, konzentriert sie sich
in den darauf folgenden Jahren auf großformatige Panoramafotografien
und Videoinstallationen.
In der Panorama-Fotoserie „Five Revolutionary Seconds“
(1995-98) arbeitet Sam Taylor-Wood mit einer historischen Kamera
der Royal Air Force, die ursprünglich für Luftaufnahmen
entwickelt wurde. Mit dieser Panoramakamera, die sich in fünf
Sekunden einmal um die eigene Achse dreht, lässt Sam Taylor-Wood
ein 360°-Panoramabild von einer tendenziell dekadenten Gesellschaftsschicht
in luxuriösen Lofts entstehen. Da nicht alle Figuren auf einen
Blick erfasst werden können, muss sich der Betrachter eine
Art filmische Betrachtungsweise aneignen.
„Der Betrachter schafft im Geiste einen neuen Schritt, indem
er sich umdreht und eine Person betrachtet und anschließend
eine Verbindung zu einer anderen Person darstellt.“1
Neben Panoramafotografien
und Videoinstallationen entstehen außerdem Einzelbilder, für
welche sich Sam Taylor-Wood aus dem Fundus der Kunstgeschichte bedient:
indem sie Gemälde von Caravaggio bis Cézanne zitiert,
ihre Fotografien wie Altarbilder aus der Frührenaissance anlegt
oder sich Anregungen von japanischen Shunga- oder Frühlingsbildern
des 19. Jahrhunderts holt.
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Bram Stoker's Chair II,
2005
C-Print
122 x 97 cm
Foto and © Sam Taylor-Wood |
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Bram Stoker's Chair I,
2005
C-Print
122 x 97 cm
Foto and © Sam Taylor-Wood |
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Bram Stoker's Chair V,
2005
C-Print
122 x 97 cm
Foto and © Sam Taylor-Wood |
Die von der Sammlung Essl angekaufte Fotoserie „Bram Stoker’s
Chair“ (2005), zeigt Sam Taylor-Wood bei einem schwebenden
Tanz auf der Lehne eines Sessels, der, wie die Künstlerin selbst,
den Gesetzen der Schwerkraft zu trotzen scheint. Der eingefrorene
Moment erzeugt Spannung und verrät weder Ursache noch Ausgang
dieses physikalisch schier unmöglichen Kunststückes. Was
dem Betrachter verborgen bleibt, ist, dass sich Taylor-Wood für
diese Fotoserie von einem Bondagekünstler fesseln lässt
und stundenlang von der Decke hängt.
Mittels digitaler Bildbearbeitung
entfernt sie nicht nur die Fesseln, sondern auch alle Spuren des
Schmerzes und der Einschränkungen. Was zurück bleibt,
ist das Bild einer Frau, der keinerlei Grenzen gesetzt sind. Beachtet
man den Titel der Arbeit, so offenbart sich außerdem, dass
hier statt einem physischen vielmehr ein psychologischer Balanceakt
zwischen Selbst- und Fremdbestimmung thematisiert wird. Ähnlich
wie sich in Bram Stoker’s Dracula das brave viktorianische
Mädchen Lucy durch Draculas Biss unverhofft in einen verführerischen
Vamp verwandelt, befindet sich auch die Künstlerin in einem
fragilen Moment der Leichtigkeit, der jederzeit zu kollabieren droht
und die schmale Gratwanderung zwischen Freiheit und Unterwerfung
beleuchtet.
Karin Altmann
1) Sam Taylor-Wood, in: Walter, Christine, Bilder erzählen!,
Weimar: VDG, 2002, S.163.
Ausstellungsbeteiligungen im Essl Museum
Weiterführende Literatur zu dieser KünstlerIn
finden Sie in der Bibliothek
>> des Essl Museums. |
updated: 03.06.2010
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