BHARTI KHER
1969 geboren in London
Lebt und arbeitet in Delhi
|
|
|
| Bharti Kher, 2010 |
|
The Great Chase, 2009/10
Fiberglas, Farbe, Mechanik, Horn
178 x 182 cm
|
Persönliche Daten
| 1987 - 88 |
Middlesex Polytechnic, Cat Hill, London |
| 1988 - 91 |
Foundation Course in Art & Design am Newcastle Polytechnic,
BA Honours, Fine Art, Painting |
Zum Werk
„Viele Menschen glauben, dass das Bindi ein traditionelles
Symbol für Heirat ist, aber tatsächlich ist es mit der
Bedeutung eines dritten Auges besetzt – eines, das eine
Verbindung zwischen der realen und den spirituellen Welten verbindet.“1
Bharti Kher ist eine der bekanntesten zeitgenössischen indischen
Künstlerinnen. Ihr Werk umfasst Malerei, Fotografie, Skulptur
und Installation. Fragen nach Identität, sozialen Rollen
und indischen Traditionen sind Themen, die Kher vordergründig
interessieren. In den Skulpturen verbindet sie tierische und menschliche
Körperteile und schafft damit erstaunliche weibliche Mischwesen.
Der Betrachter wird bei diesen Figuren mit einer Mischung aus
aggressiv zur Schau getragener Sexualität und Monstrosität
konfrontiert.
1995 hatte Kher ein einschneidendes Erlebnis. Sie begegnete einer
Frau, deren Stirn von einem spermienförmigen Bindi geschmückt
war. Die Künstlerin kaufte in einem Laden alle Bindis auf
und verarbeitete sie in ihrem Skizzenbuch. Oftmals bezieht sie
Bindis – die populäre Stirndekoration, die von indischen
Frauen getragen wird – mit in ihre Arbeit ein. Der konzeptuelle
Hintergrund dieses Schmuckes, der rituelle repetitive Akt des
Aufklebens, wird von der Künstlerin in Bildern und Skulpturen
umgesetzt. Khers „Bindi-Malereien“ sind abstrakt und
ästhetisch und werden auf bemaltem Karton in unterschiedlichsten
Formationen aufgeklebt. Sie sind mit Mustern des Exils oder der
Zuwanderung kodiert.
|
|
Ausstellungsansicht CHALO! INDIA [02.09. – 01.11.2009]
|
In Khers lebensgroßer Skulptur „The Skin Speaks a Language Not Its Own“ (2006), die 2009 im Essl Museum zu sehen war,
überziehen weiße, spermienförmige Bindis die gesamte
Gestalt eines grauen Elefanten, der aus Fiberglas hergestellt
ist. Der weibliche Elefant ist liegend dargestellt. Vielleicht
schläft er, es kann aber auch sein, dass er verletzt ist.
In Europa steht ein weißer Elefant für Torheit, in
Asien ist er hingegen ein Zeichen für Glück. Die Bindis
wurden zu Khers Markenzeichen. Die Geschlechterrolle ist ein wichtiger
Ansatzpunkt für viele ihrer Arbeiten. Kher reagiert auf die
Unterdrückung indischer Frauen, in dem sich ein Teil ihrer
Skulpturen mit dem Thema der häuslichen Tyrannei auseinandergesetzt.
Die Dualität, das Aufzeigen von Gegensätzen ist eine
weitere Komponente ihres Schaffens.
In den Jahren 2009 bis 2010 bezieht die Künstlerin ein bekanntes
Fabelwesen in ihre skulpturale Gestaltung mit ein. In „The
Great Chase“ werden Körperteile von Pferd und Einhorn
in einer Figur verbunden. Die Plastik ist aus Fiberglas, Farbe
und Horn gearbeitet und so bemalt, dass ihre Oberfläche einen
hölzernen Charakter annimmt. Als Schaukelpferd präsentiert
sich ein Tier, das ein Pferdeohr und auf der anderen Seite des
Kopfes ein Einhorn trägt. Kher vermischt so Realität
und Märchenwelt und bringt mit der Funktion als Schaukelpferd
eine spielerische, auf das kindliche Umfeld bezogene Komponente
in ihr Werk ein.
Elisabeth Pokorny-Waitzer
1) Pernilla Holmes zitiert Bharti Kher, aus: “Connecting
the Dots”, in: Artnews, April 2009.
Ausstellungsbeteiligungen im Essl Museum
Weiterführende Literatur zu dieser Künstlerin
finden Sie in der Bibliothek
>> des Essl Museums. |