PAINT THE TOWN RED, WHITE AND BLUE. A FLAG SERIES
Eine Foto-Installation von Hannes Priesch
22.03.02 – 30.06.2004, Foyer
Vom 21.03.-30.06.2002 zeigt die Sammlung Essl im Foyer des
Kunsthauses parallel zu der Ausstellung AUGENBLICK
Foto\Kunst, die aus 99 Fotografien bestehende Foto-Installation
PAINT THE TOWN RED, WHITE AND BLUE. A FLAG SERIES. des österreichischen
Künstlers Hannes Priesch.
Auslöser für die Foto-Installtion von Priesch war
die extreme, alle Lebensbereiche durchdringende Präsenz
der amerikanischen Flagge in den USA und insbesondere in New
York nach dem 11. September 2001. Karlheinz Essl traf den seit
einigen Jahren in New York lebenden Künstler Hannes Priesch
im Jänner 2002 in seinem Atelier in New York. Der Eindruck
der zahllosen amerikanischen Flaggen in den Straßen New
Yorks sowie ihre Widerspiegelung und Hinterfragung im Kunstkontext
in der Arbeit von Priesch veranlassten Karlheinz Essl diese
Installation im Kunsthaus der Sammlung Essl im Zuge der umfassenden
Foto-Ausstellung AUGENBLICK vorzustellen.
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PAINT THE TOWN RED, WHITE AND BLUE.
A FLAG SERIES. (2001/2002)
Auszüge aus der 99teiligen Foto-Installation
© Hannes Priesch |
Das Werk von Hannes Priesch zeigt deutlich: Die Fahne ist Ausweis
einer Gesinnung, ist Ware, Requisit einer Schaufenstergestaltung
und patriotische Zuwaage. Das Hinschauen mit der Kamera verschafft
emotionale Distanz und legt differenzierte Motive unter der
patriotischen Oberfläche frei.
Die Omnipräsenz der amerikanischen Flagge in den USA als
Reaktion auf die Terroranschläge des 11. September 2001
ist ein unübersehbares Zeichen der Gemeinschaft einer an
sich multi-ethnischen Gesellschaft. Dieses Symbol scheint bindendes
Glied zwischen allen Amerikanern zu sein. Die vormals kritische
Distanz vieler US-Bürger gegenüber dem "Big Apple"
hat sich in selbstverständliche Solidarität gewandelt.
New York ist, als ein Ort der Angriffsserie vom 11.9., mit dem
übrigen Amerika zusammen gewachsen.
Im Fokus der Fotoarbeit „Paint the Town Red, White and
Blue. A Flag Series“ steht das Schauen. Das menschliche
Auge ist historisch-soziologisch codiert: Schauen ist immer
Interpretieren. Mit der Kamera schauen heißt, einen Filter
aus der subjektiven Anschauung herauszunehmen. An die Stelle
der Zweiäugigkeit tritt eine Zyklopenäugikeit. Dinge
verlieren ihre Dominanz, sie werden auf die Größenwerte
zurückgeschrumpft, die wahrscheinlich den eigentlichen
Größenverhältnissen entsprechen. Selbst zehn
Fahnen in einem Straßenbild können sich so im fotografischem
Bild verlieren. Spiegelungen schließen die Umgebung mit
ein, sind Zeugen der Bildüberflutung, die unsere Augen
berauschen und gleichzeitig ermüden: Bruchteilsekundenbilder,
die wir nicht mehr wahrnehmen, aber doch aufnehmen. Die Fotografie
friert diese Bruchteilsekundenbilder in ein Bild ein.
Das bewusste
menschliche Auge nimmt immer wieder neu Sehaufträge an,
wird durch diese Sehaufträge programmiert und spart andere
Teile eines Gesamtbildes einfach aus. Die Kamera dagegen ist
dazu noch nicht imstande, vielleicht ist das gut so. Ihre Limits
im Zusammenspiel mit dem Filmmaterial sind physikalisch-chemischer
Natur. Die 9 x 11 Fotografien zeigen die Fahne in unterschiedlichen
Kontexten. Die Fahne wird Ware, Requisit einer Schaufenstergestaltung,
patriotische Zuwaage zum Konsumartikel, Ausweis einer Gesinnung.
Das Hinschauen mit der Kamera ist auch ein Wegschauen: es verschafft
emotionale Distanz.
In seinen Arbeiten konzentriert sich Hannes Priesch auf unterschiedliche
Aspekte von Kommunikation und Austausch im gesellschaftlichen
Kontext. Die Inhalte seiner Kunst sind nicht kunstspezifisch.
Er arbeitet mit gesellschaftlichen Kategorien, wie Sprache,
Geld, Identität und kollektiven Vorstellungen und bringt
diese ins Feld der Kunst ein. Dabei erhält auch das Subjektive
Raum in seiner Arbeit, indem er es in den Schnittpunkt vom Allgemeinen
und Kollektiven setzt.
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updated: 06.09.2010
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